Bericht

„Jetzt bekommt ihr schon Preise vom DFB“ – Die Toten Hosen werden für ihr Engagement gegen Rassismus geehrt

 

Seit 2005 überreicht der Deutsche Fußball Bund den „Julius Hirsch Preis“ an Personen und Organisationen, die sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen. Der Namensträger Julius Hirsch ist siebenfacher deutscher Nationalspieler gewesen, der 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus seinem Verein ausgeschlossen und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden ist.

In diesem Jahr findet die Ehrungsveranstaltung am 18. November erstmalig im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens statt. Das Abendprogramm für die 300 geladenen Gäste ist abwechslungsreich und kurzweilig.

Zu Beginn und am Abschluss des Abends gibt der Chor des Goethe Gymnasiums Frankfurt einen musikalischen Beitrag zu Gehör. Die 15jährige Ronja Tischkopf spielt zudem meisterhaft ein Klavierstück von Chopin vor.

DFB Präsident Fritz Keller unterstreicht in seiner Rede zu Beginn des Abends, dass Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft keinen Platz haben und Zivilcourage der Bürger weiterhin gefordert ist.

Der fast 89jährige Zeitzeuge Zvi Cohen berichtet sehr emotional, wie er die Schikane der Nazis, das KZ Theresienstadt und schlussendlich den Krieg überlebt hat. Sein Leben, so Cohen, hat er damit seiner Mundharmonika zu verdanken, mit deren Hilfe er manche brenzlige Situation gemeistert hat. Nachzulesen in seinem Buch „Der Junge mit der Mundharmonika“.

Ein Gremium hat drei Projekte des letzten Jahres mit dem Julius Hirsch Preis 2019 ausgezeichnet.

 

Die Preisträger im Überblick:

Die Toten Hosen sind vom DFB mit dem Julius Hirsch Ehrenpreis für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Seit Jahrzehnten setzt sich die erfolgreiche Punkband in ihren Texten und in öffentlichkeitswirksamen Aktionen entschlossen gegen Rechts ein. Die Laudatio hat Thees Uhlmann gehalten.  „Jetzt bekommt ihr schon Preise vom DFB“, scherzt der Sänger und Autor einer Toten Hosen Biografie. „Verdient“, fügt er hinzu.

Mit dem Julius Hirsch Preis ist auch der FC Ente Bagdad ausgezeichnet worden, eine Mainzer Fussballmannschaft, die sich aktiv an der Initiative „Nie wieder – Erinnerungen im deutschen Fußball“ beteiligt, sich zivilgesellschaftlich engagiert, sich für Toleranz, Respekt wie auch Gleichberechtigung einsetzt und sich regelmäßig mit einer Aktion zum Tag der Auschwitz-Befreiung engagiert.

Ebenfalls ausgezeichnet worden ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kickers und der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart, betreffend des historischen Schicksals des jüdischen Schiedsrichter der Stuttgarter Kickers, Julius Baumann.

Der dritte Preis ist an das Bündnis „Tradition lebt von Erinnerung“ um den VfL Osnabrück gegangen. Beide Projekte haben ihre Vergangenheit bzw. Geschichte aufgearbeitet, die Ergebnisse in der Gegenwart (Workshops… ) thematisiert und sich damit kritisch auseinandergesetzt.

 

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Text: Tobias Böhm, Fotos: Markus Wissmann

 

 

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