Bericht

Ein ’stabiler‘ Abend im Deutschen Filmmuseum für Michael Bully Herbig

 

Der Abend des 4. April 2019 im Deutschen Filmmuseum ist ganz dem sympathischen Schauspieler, Produzent und Regisseur Michael Bully Herbig gewidmet.

Zunächst wird sein neuer Film „Ballon“ im Museumskino den Zuschauern gezeigt.

Ein visuell exzellenter Thriller, der den Zuschauer in den Bann zu ziehen weiss: Die Familien Strelzyk und Wetzel wollen aus der DDR flüchten. Da ein Auswandern zu Fuss oder Auto ausweglos scheint, wählen sie den Weg über die Luft. Ein Heißluftballon soll beide Familien in den ersehnten Westen bringen.

Ein erster Versuch geht schief. Nur mit Glück kann Familie Strelzyk leicht verletzt vom Absturzort fliehen und kehrt unfreiwillig zu ihrem Haus zurück.

Eigentlich wäre hier die Geschichte zu Ende, doch als die Stasi in ihren Ermittlungen den beiden Familien immer näher rückt, entscheiden sich diese aus der Not heraus für einen zweiten Versuch. Ein neuer Ballon, groß genug für beide Familien, wird im Akkord gefertigt.

Das Ende der spannenden Flucht ist den meisten Kinobesuchern schon bekannt. Michael Bully Herbig schafft es jedoch, den Zuschauer „in den Ballon zu holen“ und intensiv mitfiebern zu lassen.

Nach der Vorführung unterhält sich Moderator und Filmkenner Urs Spörri in entspannter Atmosphäre im Foyer mit Michael Bully Herbig über dessen Biographie und die Dreharbeiten zum Film. Charmant und witzig antwortet der Gast des Filmmuseums auf alle Fragen.

 

Herbig ist seit früher Kindheit vom Filmemachen fasziniert, hat schon früh mit der Kamera eines Nachbarn experimentiert und kleine Filmchen selbst gedreht.
Nach dem Erfinden lustiger Anrufbeantworter-Texte ist er dann fürs Radio entdeckt worden und etwas später durch eine glückliche Fügung bei Pro 7 gelandet. Gemeinsam mit seinen Buddys Rick Kavanian und Christian Tramitz haben sie sich dort bei der fast schon legendären Bullyparade kreativ ausleben dürfen.

Der Schritt ins Regie-Fach ist somit nicht mehr weit gewesen. Alle seine Kino-Filme sind beim Publikum sehr gut angekommen und mit „Der Schuh des Manitu“ hat er den erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten geschaffen. Der Hitchcock-Fan Bully schließt augenzwinkernd nicht aus, irgendwann einmal für den Oscar nominiert zu werden.

 

Michael Bully Herbig ist in München aufgewachsen und hat als Kind die Geschichte der Flucht aus der DDR mit einem selbst gebauten Heißluftballon im Magazin „Stern“ gelesen bzw. kann sich an die bunten Bilder erinnern. Die Geschichte ist bereits in den 80er Jahren schon einmal – mehr schlecht als recht – von Disney verfilmt worden. Er findet, sie ist reif gewesen, neu und besser verfilmt zu werden.

Da die Filmrechte immer noch bei Disney liegen, hat er Jahre lang versucht, diese zu erhalten. Erst als er Roland Emmerich – als einzigen Deutschen, den er in Hollywood kennt – um Hilfe bittet, kommt das Projekt ins Rollen.

Damit der Film so realistisch wie möglich wird, holt er sich (neben u.a. Leander Haußmann) die beiden echten Familien, die mit dem Ballon geflogen sind, mit ins Boot. Diese hatten sich nach der Flucht auseinandergelebt und treffen sich erst über den Film nach Jahrzehnten wieder auf der Bühne des Premierenkinos. Sie sind mit der Verfilmung sehr zufrieden.

„Ballon“ ist mit großer Liebe zum Detail verfilmt worden. Sogar die Lichtschalter im Haus, die man nur sekundenlang sehen kann, entsprechen dem originalen DDR-Schick. Thomas Kretschmann, der den bösen Stasi-Verfolger spielt, kennt die Szenerie aus seiner eigenen Vergangenheit. Für ihn sind die Dreharbeiten eine Art Verarbeitung des eigenen Lebensabschnittes und mental durchaus anstrengend.
Die Filmmusik erinnert zeitweise an den menschlichen Puls und unterstützt die Spannung. Der Film verkauft sich auch im Ausland gut und hat schon einige Preise gewonnen.

 

Ein „stabiler Film“ sei der neue Film von Michael Bully Herbig, meinte ein Jugendlicher lobend nach einer Vorführung von „Ballon“ kurz nach dem Filmstart. Da können die Gäste des Abends nur lachend zustimmen.

Text: Tobias Böhm. Fotos: Markus Wissmann

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