Bericht

Bericht: Apollo 7 Astronaut Walt Cunningham besuchte das Technik Museum Speyer

Technik Museum Speyer, 21. Oktober 2017. Europas größte Raumfahrtaustellung empfängt ihren 8. Apollo Astronauten.

Nach einigen eindrucksvollen Bilder auf der Kinoleinwand des Technik Museums in Speyer betritt der US Astronaut Ronnie Walter „Walt“ Cunningham die Bühne. Er, Jahrgang 1932, gehört zu denjenigen Pionieren, welche die Mondlandung 1969 erst möglich gemacht haben. Als Pilot der Mondfähre von Apollo 7 hat er einen wichtigen Grundstein gelegt und wichtige Erkenntnisse für den späteren Erfolg gesichert. Insgesamt 10 Tage, 20 Stunden und 9 Minuten verbrachte er im All.

Walt Cunningham, der nach seiner Zeit bei der NASA Wirtschaftswesen studierte und die letzten Jahrzehnte mit einem anderen Tagesgeschäft beschäftigt gewesen ist, freut sich sichtlich über die Aufmerksamkeit. Und er ist entspannt – einmal wirft er zwischendurch seiner Ehefrau sogar ein Küsschen zu – und freut sich sichtlich, über sein Leben erzählen zu können. Viele Menschen erinnern sich zwar an die Mondlandung, aber nur wenige an Apollo 7 oder 9, startet er seinen Vortrag. Aber das Interesse an seiner Person sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Und er nennt auch gleich einen der Gründe: „Es gibt nicht mehr viele von uns“.

Die Erforschung des Weltraums beschreibt Cunningham als unausweichlich. Es sei Teil unserer menschlichen Natur, und er zieht Vergleiche zu den Expeditionen von Magellan und Columbus.

Sein Weg zur NASA ist allerdings nicht von Anfang an gesetzt. Als ausgebildeter Testpilot und Oberst des United States Marine Corps bringt er zwar ideale Voraussetzungen mit – er verlässt jedoch zuerst das Militär, um ein Physik-Studium aufzunehmen. Erst als er 1961 während einer Autofahrt im Radio den Start von Astronaut Alan Shepard und der Mercure-Redstone 3 Weltraumkapsel mitverfolgt, packt es ihn. Und nur 2.5 Jahre später teilt er sich bereits ein Büro mit Shepard.

Der Umweg bedeutet jedoch finanzielle Einbußen: Er startet von nun an als Zivilist bei der NASA, mit lediglich $13.500 Jahresgehalt. Zwar steigt das Gehalt in den Folgejahren auf $25.000 – aber auch auf die begehrte NASA Lebensversicherung muss er verzichten. So wird schnell klar, warum er schließlich in die Wirtschaft wechselt.

Cunningham startet seine Weltraumkarriere als Teil einer Reserve-Crew für die Apollo-1 Mission. Bei einem missglückten Test der Apollo-1 Weltraumkapsel 1967 kommt es zu einem folgenschweren Brand welcher der Hauptcrew – den Astronauten Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffe – das Leben kostet. Bis heute sei der Grund dieses Feuers nicht geklärt, erwähnt er mehrfach.

Apollo 2-6 folgen als unbemannte Testflüge, bevor Cunningham, nun Teil der Hauptcrew, mit Apollo 7 seinem Flug in den Weltraum antreten kann. Die Mission sei außerordentlich erfolgreich gewesen, berichtet er. So erfolgreich sogar, dass noch während der Mission weitere Aufgaben und Ziele hinzugefügt werden. Erstmals ist auch eine Fernsehkamera an Board, mit der Live-TV Bilder an die Erde gesendet worden ist- dafür erhält die Crew sogar einen Emmy, wie sie bei ihrer Ankunft auf der Erde erfahren. Diesen haben sie zwar nicht abholen können- die NASA hat dies untersagt, da wichtigeres zu tun sei – er kommt aber mit etwas Verspätung per Post.

Wichtig ist Cunningham auch, seinen Teil am Erfolg einzuordnen: Er bezeichnet den Erfolg der Apollo Missionen als „Group effort“, als einen Erfolg von hundert tausenden von Wissenschaftlern, Technikern und Managern.

Und er spart auch nicht mit Kritik: Die NASA sei viel bürokratischer, weniger effizient geworden. Man wolle heutzutage das Risiko reduzieren, soweit wie möglich. Und er sagt: „We have to do the right thing even if it’s unpopular. Safety cannot be guaranteed if you’re exploring the unknown“ – Wir müssen das richtige tun, auch wenn es unpopulär ist. Sicherheit kann nicht garantiert werden wenn man das Unbekannte erforscht.

Was er einem jungen Menschen raten würde, der eine Astronautenkarriere anstreben würde, wird er gefragt. Dazu hat Walt Cunningham eine klare Meinung: Nicht jeder ist gleich, nicht jeder ist geeignet. Sei nicht zufrieden, genauso zu sein wie alle um dich herum.  Arbeite so hart wie du kannst. Versuche so großartig zu sein wie du kannst. Selbst wenn es nicht klappt, wirst du davon profitieren.

Der nächste Astronautenbesuch steht schon vor der Tür: Am 25. November wird der Schweizer ESA Astronaut Claude Nicollier das Technik Museum Speyer besuchen. Weitere Informationen dazu u.a. unter https://starbesuch.de.www455.your-server.de/2017/10/21/speyer-25-november-schweizer-esa-astronaut-claude-nicollier-im-technik-museum/