Bild: Jafar Panahi Film Production

Kino

Unsere Filmkritik zu Drei Gesichter von Jafar Panahi

 

Nach seinem großen Erfolg mit „Taxi Teheran“ 2015 legt Jafar Panahi trotz Berufsverbots mit „Drei Gesichter“ eine weitere Glanzleistung vor, die nicht umsonst dieses Jahr in Cannes die Goldene Palme für das beste Drehbuch gewonnen hat.

Wieder begleitet ihn der Zuschauer im Auto, diesmal ein Geländewagen, kein Taxi. Zusammen mit der Schauspielerin Behnaz Jafari macht sich Panahi auf die Suche nach einem mysteriösen Mädchen in den Bergen des iranischen Hinterlandes. In beeindruckend stillen Bildern erzählt er die Geschichte von drei außergewöhnlichen Frauen, die zwischen Kunst, Fortschritt und Tradition ihren Weg gehen.

 

Bild: Jafar Panahi Film Production

Der Film eröffnet mit einem Handy-Video, das die junge Marziyeh an ihr großes Vorbild, die Schauspielerin Behnaz Jafari gesendet hat. Die junge Frau wurde an der Schauspielschule in Teheran angenommen, aber ihre eigene und die Familie ihres Verlobten sind gegen ihr Vorhaben. Sie erhoffte sich Hilfe von der bekannten Schauspielerin, denn auf wen würde die Familie mehr hören, als die Frau mit der sie in Filmen lachen und weinen? Marziyeh wirft Behnaz Jafari vor, ihre Hilfsgesuche nicht erhört zu haben und erhängt sich.

Immer und immer wieder sieht sich Behnaz das Video in Panahis Auto sitzend an. Sie weint und fragt sich, wie sie diesen Hilferuf überhören konnte. Jafar Panahi bleibt als Freund von Behnaz und als Fahrer zunächst im Hintergrund. Getrieben von Schuldgefühlen, aber auch von Zweifeln an der Echtheit des Videos begeben sich die beiden in den Berge auf die Such nach Spuren von Marziyeh. Auf dieser Reise in abgelegen Dörfer dringen sie ein in einen Mikrokosmos in dem Menschen durch Hupen miteinander kommunizieren, alte Frauen schon einmal im eigenen Grab probeliegen, Zuchtbullen die einspurige Straße blockieren und so ein hinein- oder hinauskommen verhindern.

Bild: Jafar Panahi Film Production

In „Drei Gesichter“ stehen die drei Frauen, genauer gesagt die drei Künstlerinnen Behnaz, Marziyeh, und Sharzad im Fokus. Zusammen bilden sie drei Entwicklungsstadien einer Schauspielerin: die Junge, die gegen die Familie ankämpfen muss um an die Schauspielschule gehen zu können, die erfolgreiche Schauspielerin, die von Männern nicht ernstgenommen wird und die Alte, die als Gauklerin verunglimpft und aus dem Dorf vertrieben wurde. Behutsam und still erzählt Panahi die Geschichte dieser Frauen, belässt sie präsent im Hintergrund, während im Vordergrund, mit humorvollem Blick, die Männer des Dorfes den Raum für ihre vermeintlich gewichtigen Probleme einnehmen.

Fazit

Humorvoll, aber nicht lächerlich. Ernsthaft, aber nicht schwer. Eine unfassbar gute Balance zwischen diesen Polen macht „Drei Gesichter“ zu einem absoluten Filmvergnügen. Die Kameraführung bleibt ganz nah an den Darsteller*innen und lässt vor allem die in Deutschland eher unbekannte, aber im Iran sehr erfolgreiche Behnaz Jafari glänzen. Ihre schauspielerische Leistung trägt den Film. Sie ist stark und einfühlsam zugleich. Ihre eindringliche Mimik lässt den den Zuschauer mit ihr zweifeln und verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität.
Allerdings sind die am Armaturenbrett befestigte Kamera und das iranische Bergland nichts für Menschen, denen im Auto schnell schlecht wird.
Alles in allem hat Panahi einen Film geschaffen, der noch lange nach dem Sehen im Betrachter mitschwingt und nachdenken anregt.

Bewertung: 4/5 Punkten

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