Beitragsbild: Markus Wissmann

Frankfurt

Frankfurt verliert einen Großen der Komischen Kunst: Hans Traxler im Alter von 97 Jahren gestorben

Der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler ist am 24. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Das teilten das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt am Main im Namen der Familie Traxler mit.

Traxler, geboren am 21. Mai 1929 in Herrlich in Böhmen, zählte zu den prägenden Figuren der deutschen Satirekunst der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Pit Knorr, Chlodwig Poth und F. K. Waechter gründete er die Künstlergruppe „Neue Frankfurter Schule“, auch bekannt als Elch-Gruppe, die das Verständnis von Komik in Deutschland nachhaltig veränderte. Ihr Wahrzeichen, der Elch, ziert bis heute das Logo des Caricatura Museums – seit 2008 steht auch eine Bronzefigur vor dem Haus.

Oberbürgermeister Mike Josef würdigte Traxler als „großen Künstler und außergewöhnliche Persönlichkeit“, dessen kreatives Wirken weit über Frankfurt hinaus Spuren hinterlassen habe. Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig bezeichnete ihn als einen der herausragenden Vertreter der Komischen Kunst, dessen Werk künftige Generationen inspirieren werde. Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museum Frankfurt, betonte, man sehe es als Auftrag, Traxlers Lebenswerk zu bewahren.

Vom Ausgrabungsscherz zur „Birne“

Traxlers satirische Karriere begann in den 1960er-Jahren. Bekannt wurde er unter anderem mit der 1963 erschienenen Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“, in der er unter dem Pseudonym Georg Ossegg eine angebliche archäologische Ausgrabung des Hexenhauses beschrieb – inklusive Lageplan und Fundpräsentation. Zahlreiche Leser hielten die Parodie für echt und suchten erfolglos im Spessart nach der Fundstelle, was Traxler eine Ermittlung wegen Betrugs einbrachte. Das Buch wurde 1987 mit Jean Pierre Léaud, Romy Haag und Alfred Edel verfilmt.

1962 gehörte Traxler zu den Mitgründern des Satiremagazins Pardon. Nach Differenzen mit Herausgeber Hans A. Nikel trennte er sich in den 1970er-Jahren gemeinsam mit späteren Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule vom Blatt und gründete 1979 die Titanic. In den Jahrzehnten danach arbeitete er zudem für das Zeit-Magazin sowie für die Magazine von FAZ und SZ. Große Bekanntheit erlangte 1982 sein gemeinsam mit Pit Knorr verfasstes Buch „Birne – das Buch zum Kanzler“, das Bundeskanzler Helmut Kohl den bis heute nachwirkenden Spitznamen „Birne“ einbrachte.

Ein Denkmal für jeden Menschen

2005 schenkte Traxler seiner Wahlheimat das ICH-Denkmal im Frankfurter Grüngürtel: Unter dem Motto „Jeder Mensch ist einzigartig“ kann sich dort jeder auf einem beschrifteten Sockel fotografieren lassen.

Auch im hohen Alter blieb Traxler künstlerisch aktiv. 2024 erschien sein Buch „Wie die Malerei verschwand. Eine Kunstgeschichte“, eine kritische Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Kunstbetrieb. 2025 folgten „Eine Ode an den Ammersee“ sowie der Sammelband „Die Bildergedichte“.

Sein Werk umfasst knapp 50 eigene Bücher und rund 30 Illustrationen fremder Texte, von Schiller und Heine bis Mark Twain und Tucholsky. Für sein Lebenswerk wurde er unter anderem mit dem Göttinger Elch (2006), dem Deutschen Karikaturenpreis (2007), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2014) und dem Wilhelm-Busch-Preis (2015) ausgezeichnet. Der künstlerische Nachlass mit rund 3.700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen befindet sich im Caricatura Museum Frankfurt.