Sechs Tage lang stand Frankfurt am Main ganz im Zeichen des japanischen Kinos und der japanischen Kultur. Mit rund 21.000 Besucherinnen und Besuchern verzeichnete das Nippon Connection Filmfestival erneut einen Publikumsrekord. Zahlreiche Filmvorführungen und Kulturveranstaltungen an insgesamt 13 Veranstaltungsorten waren bereits frühzeitig ausverkauft. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden zusätzliche Vorstellungen angeboten. Mehr als 200 japanische und internationale Filmschaffende sowie Künstlerinnen und Künstler reisten zum Festival an und tauschten sich vor Ort mit dem Publikum aus.
Im Rahmen der Preisverleihung am 7. Juni wurden insgesamt sieben Auszeichnungen vergeben. Zu den Höhepunkten zählte die Ehrung der japanischen Schauspielerin Anna Yamada, die den Nippon Rising Star Award persönlich entgegennahm. Mit dem Preis würdigt das Festival vielversprechende Nachwuchstalente der japanischen Filmbranche. Seit ihrem Debüt im Jahr 2018 hat sich Anna Yamada mit Rollen in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen einen Namen gemacht. Beim diesjährigen Festival war sie unter anderem als Hauptdarstellerin in der Horror-Groteske NEW GROUP von Yuta Shimotsu zu sehen.
Der Nippon Cinema Award ging an den Film FUJIKO von Taichi Kimura. Das Werk erzählt die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und verbindet ernste Themen mit Optimismus sowie absurder Komik. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach weiblicher Selbstbestimmung. Der Publikumspreis ist mit 4.000 Euro dotiert.
Gleich doppelt ausgezeichnet wurde die Satire A Unique Country in Asia von Kenji Yamauchi. Der Film erhielt sowohl den Nippon Visions Audience Award als auch den Nippon Visions Jury Award. Erzählt wird die Geschichte einer Hausfrau, die Care- und Sexarbeit auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet und zugleich offen ihre politischen Ansichten vertritt.
Die internationale Jury, bestehend aus Barbara Wurm, Hayley Scanlon und Kei Ishikawa, würdigte insbesondere die geistreiche und mutige Erzählweise des Films. Humor werde darin genutzt, um Geschlechterrollen, gesellschaftliche Tabus und politische Missstände in Japan kritisch zu hinterfragen. Stellvertretend für Regisseur Kenji Yamauchi nahm Hauptdarstellerin Ami Chong die Auszeichnungen entgegen. Ihre schauspielerische Leistung wurde von der Jury besonders hervorgehoben.
Darüber hinaus sprach die Jury zwei lobende Erwähnungen für die Dramen Dawn Chorus von Yoshinori Sato sowie Kiiroiko von Mika Imai aus.
Der Nippon Storytelling Award für das beste Originaldrehbuch ging an Kuninori Yamazaki für Kaneko Fumiko. Das historische Drama von Regisseurin Sachi Hamano beleuchtet das Leben einer politischen Aktivistin, die im repressiven und militaristisch geprägten Japan der 1920er-Jahre konsequent für ihre gesellschaftlichen Ideale eintritt. Die Jury lobte die vielschichtige und zugleich emotionale Umsetzung des Stoffes. Sachi Hamano und Kuninori Yamazaki, die seit 55 Jahren zusammenarbeiten, waren während des Festivals persönlich vor Ort.
Als bester Dokumentarfilm wurde Tetsuyo Turned 104, Living on Her Own von Kazuhiro Yamamoto ausgezeichnet. Für das Projekt begleitete der Regisseur über einen Zeitraum von zwei Jahren die mittlerweile über 100-jährige Witwe Tetsuyo. Entstanden ist ein bewegender Film über das Leben im hohen Alter, das Älterwerden und den Umgang mit dem Alltag. Kazuhiro Yamamoto und Produzentin Sachi Okamoto nahmen den Publikumspreis persönlich entgegen.
Erstmals wurde in diesem Jahr zudem der Nippon Animation Shorts Award vergeben. Die Auszeichnung erhielt der animierte Dokumentarkurzfilm find me von Akari Maru, die bei der Preisverleihung anwesend war. Die Jury, bestehend aus Waltraud Grausgruber, Fabian Driehorst und Thomas Stellmach, hob insbesondere den mutigen Umgang mit dysfunktionalen Mutter-Tochter-Beziehungen hervor und würdigte die gesellschaftliche Relevanz des Films. Eine lobende Erwähnung erhielt außerdem der Kurzfilm Q von Masataka Kihara.
Auch nach Festivalende bleibt ein Teil des Programms für das Publikum zugänglich. Ausgewählte Produktionen werden in den kommenden Monaten im Rahmen des Themenschwerpunkts Shades of Reality – Between Truth and Fiction im Rhein-Main-Gebiet gezeigt.
Das 27. Nippon Connection Filmfestival ist bereits für den 25. bis 30. Mai 2027 geplant.



