Beitragsbild: Nippon Connection

Ankündigung

Von Anime bis Arthouse: Das vollständige Programm des 26. Nippon Connection Filmfestivals steht fest

Das vollständige Programm des 26. Nippon Connection Filmfestivals steht fest, gleichzeitig hat der Vorverkauf begonnen. Vom 2. bis 7. Juni präsentiert das Festival an 13 Veranstaltungsorten in Frankfurt am Main rund 140 japanische Kurz- und Langfilme sowie mehr als 80 Kulturveranstaltungen. Das diesjährige Programm setzt dabei auf eine große thematische und stilistische Vielfalt – von ungewöhnlichen Liebesgeschichten über experimentelles Genrekino bis hin zu gesellschaftspolitischen und queeren Perspektiven.

Im Bereich der Liebesgeschichten widmet sich das Festival ungewöhnlichen Beziehungen und neuen Erzählformen des japanischen Kinos. In „Sato and Sato“ von Chihiro Amano steht nicht die klassische Romanze, sondern der belastete Ehealltag eines Paares im Mittelpunkt. Während die Anwältin Sachi beruflich erfolgreich ist, übernimmt ihr Mann Tamotsu nach mehreren gescheiterten Jura-Prüfungen die Rolle des Hausmanns. Regisseurin Chihiro Amano wird zur Deutschlandpremiere persönlich erwartet. Ebenfalls vor Ort ist Schauspielerin Ami Chong, die in „A Unique Country in Asia“ von Kenji Yamauchi eine Frau verkörpert, deren Leben zwischen Care- und Sexarbeit verschwimmt.

Mit „A Moon in the Ordinary“ erzählt Nobuhiro Doi von einer wiederauflebenden Jugendliebe, die durch eine unerwartete Nachricht erschüttert wird. Einen Science-Fiction-Einschlag erhält das Thema zweite Chancen in „FIRST KISS“ von Ayuko Tsukahara: Nach dem Tod ihres Mannes reist die Protagonistin unerwartet in die Vergangenheit zurück, um ihre gemeinsame Geschichte neu zu erleben. Fantasievoll und musikalisch inszeniert Wataru Takahashi seinen Anime „The Obsessed“, in dem sich der egozentrische Giuseppe in eine Ballonverkäuferin verliebt.

Auch das Genrekino nimmt beim Festival einen zentralen Platz ein. In „SUZUKI=BAKUDAN“ von Akira Nagai behauptet ein arbeitsloser Mann nach seiner Festnahme, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen – kurz bevor eine Serie von Explosionen Tokio erschüttert. Die Komikerin Yuriyan Retriever wiederum dekonstruiert in ihrem Regiedebüt „MAG MAG“ klassische J-Horror-Muster und verbindet sie mit einer Hommage an das Genre.

Einen wilden Mix aus Horror, Punk und Popkultur präsentiert Kenichi Ugana mit „I Fell in Love With a Z-Grade Director in Brooklyn“. Der Film begleitet eine japanische Schauspielerin, die an einem chaotischen Horrorfilm-Set in New York ihre Begeisterung für die Schauspielerei wiederentdeckt. In „Taroman Expo Explosion“ lässt Regisseur Ryo Fujii die ikonische Skulptur „Turm der Sonne“ zum Retter der Menschheit gegen bizarre Monster werden.

Traditionell bietet das Festival außerdem Raum für junge Filmschaffende und Debütwerke. In seiner Satire „AnyMart“ erzählt Yusuke Iwasaki von einem emotionslosen Supermarktmitarbeiter, dessen Alltag durch mysteriöse Vorfälle aus den Fugen gerät. Das Regiedebüt wurde bei der Berlinale 2026 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet.

Mit „AT THE LOVEHOTEL“ liefert Santa Ikegame einen Einblick in die Welt japanischer Stundenhotels. Regisseur und Produzent Ryu Yoshikawa werden zur internationalen Premiere erwartet. In „LONG NIGHT“ schildert Yui Kusakari die Auswirkungen von Verlust, Unsicherheit und belastenden Geheimnissen auf eine junge Beziehung.

Im Rahmen des „Tokyo University of the Arts Special“ zeigt das Festival außerdem die Weltpremiere des Kurzfilms „The Stranger“ von Issey Filliquet Watanabe sowie die internationale Premiere von „Ando“, dem Langfilmdebüt von Yoshiaki Arai.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf weiblichen Perspektiven im japanischen Kino. In „How Dare You?“ beschäftigt sich Mipo O mit der Klimakrise aus Sicht von Kindern und verbindet gesellschaftspolitische Fragen mit humorvollen Beobachtungen. Historisch-politisch wird es in „Kaneko Fumiko“ von Sachi Hamano, die zur Europapremiere ihres Films anreisen wird. Die Regisseurin gilt als prägende Persönlichkeit des japanischen Pink-Filmgenres.

Mit „Cosmo Corpus“ präsentiert Yokna Hasegawa einen visuell geprägten Episodenfilm über die Zukunft der Menschheit. Der Dokumentarfilm „Yuho No Border“ von Yumiko Asano porträtiert dagegen die Aktivistin Yuho Asaka, die trotz Glasknochenkrankheit als wichtige Stimme für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Japan gilt.

Auch queere Geschichten erhalten beim Festival eine sichtbare Plattform. In „Blue Boy Trial“ erzählt Kasho Iizuka, inspiriert von realen Ereignissen, von drei Transgender-Frauen, die im Tokio der 1960er Jahre eine gesellschaftliche Debatte über Geschlecht und Normen auslösen. Anshul Chauhan stellt bei Nippon Connection persönlich seinen Film „TIGER“ vor, der einen schwulen Sexarbeiter durch das nächtliche Tokio begleitet und familiäre Konflikte thematisiert.

In „The Deepest Space in Us“ widmet sich Yasutomo Chikuma den emotionalen Folgen eines Suizids und der Suche nach Antworten auf lang verdrängte Fragen.

Neben dem Filmprogramm setzt Nippon Connection erneut auf ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm. Musikalische Auftritte, Tanzperformances, Workshops und Vorträge sollen verschiedene Facetten japanischer Kultur erlebbar machen. So verbindet das Kollektiv U-zhaan x Tamaki ROY x Chinza DOPENESS traditionelle Tabla-Rhythmen mit japanischem Hip-Hop. Tenor Takumi Torio interpretiert japanische Filmmusik neu, während Comedian Katsura Sunshine eine klassische Rakugo-Performance präsentiert.

Das Duo TAROeMAKI bringt die Welt der Samurai mit einer Schwerttanz-Vorführung auf die Bühne. Die Performance „Ordinary“ von Tomoya Kawamura und Atsushi Takahashi kombiniert Elemente des traditionellen Noh-Theaters mit modernem Tanz. Ergänzt wird das Programm durch Workshops zu traditionellem Papierhandwerk, Stofffärbung und Keramikreparatur sowie durch kulinarische Angebote, Vorträge und Ausstellungen von JUMPEITAINAKA, Kazuki Taguchi, Keiko Yamagiwa und Hiroya Sakurai.