Nach dem Auftakt in Winterberg zieht der Weltcup-Tross weiter nach Nordamerika. Auf den traditionsreichen Olympiabahnen von Park City und Lake Placid stehen die nächsten Qualifikationsrennen für die Olympischen Winterspiele Milano-Cortina 2026 an. Die Bahn im Utah Olympic Park, errichtet für die Spiele von 2002, bildet am 12. und 13. Dezember die Bühne für den zweiten EBERSPÄCHER Rodel-Weltcup der Saison. Insgesamt gehen 122 Schlitten aus 24 Nationen an den Start.
Der Weltcupzirkus war zuletzt im Dezember 2022 in Park City zu Gast. Damals holte Dajana Eitberger bei den Damen den Sieg, während bei den Herren Dominik Fischnaller vor Felix Loch und David Gleirscher triumphierte. In den Doppeldisziplinen dominierten damals Teams aus Italien, Deutschland und Österreich.
Neue Dramaturgie: Einzelrennen auf zwei Tage verteilt
In Park City werden die Einzelrennen der Damen und Herren an zwei aufeinanderfolgenden Tagen entschieden – eine Änderung, die bewusst eingeführt wurde. FIL-Sportdirektor Matthias Böhmer erklärt:
„Wir haben entschieden, die Rennen zu trennen, um die Entscheidung am Samstagabend dramatischer zu gestalten. Man qualifiziert sich für den zweiten Lauf und hat dann eine Nacht dazwischen, was für alle Athleten ein guter Test für die Olympischen Spiele ist, wo ja zwei Rennläufe an einem und zwei Rennläufe am nächsten Tag stattfinden. Wir haben die Entscheidungen bewusst zuschauerfreundlich in den Abend gelegt. Es werden dann innerhalb knapp drei Stunden Sieger im Einzel und in der Team-Staffel gekürt. Gleichzeitig legen wir am Freitagabend komplett den Fokus auf die Doppel, die sonst immer ein wenig im Schatten einer Einzelentscheidung stehen.“
Mit den Terminverschiebungen rücken die Doppel-Wettbewerbe stärker in den Fokus und eröffnen den Weltcup am Freitagabend.
Winterberg als Vorgeschmack: Erfolgreicher Start für Deutschland und Österreich
Der Saisonauftakt in Winterberg zeigte bereits, wie eng die Weltspitze beieinanderliegt. Deutschland und Österreich prägten das Podiumsgeschehen. Besonders herausragend präsentierten sich Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal, die im Damen-Doppel, im Mixed-Doppel gemeinsam mit Tobias Wendl und Tobias Arlt, sowie in der Team-Staffel siegten.
„Ich freue mich wahnsinnig für das ganze Team. Sie haben in der Staffel nochmal Moral bewiesen, alle eine Klasseleistung gebracht“, sagte Bundestrainer Patric Leitner nach dem erfolgreichen Wochenende.
Auch Österreich blickt optimistisch nach Übersee. Cheftrainer Christian Eigentler sieht sein Team „gut gerüstet“ und verweist auf eine solide Vorbereitung sowie Konkurrenz, die durch die Rückkehr der italienischen Topmannschaft und die US-Starter zusätzlich an Stärke gewinnt.
Road to Milano-Cortina 2026: Die anspruchsvolle Qualifikation
Für die Olympischen Spiele 2026 stehen insgesamt 106 Startplätze zur Verfügung, verteilt auf fünf Disziplinen. Die Nationalen Olympischen Komitees dürfen maximal drei Einzelstarter pro Geschlecht und zwei Doppel-Paare melden. Der Team-Wettbewerb setzt sich aus bereits qualifizierten Athletinnen und Athleten zusammen.
Nach dem ersten Qualifikationsrennen beim Testevent in Cortina zählen nun die Weltcups in Park City, Lake Placid, Sigulda und Winterberg als entscheidende Stationen auf dem Weg zu den Spielen.
US-Athletinnen im Fokus
Mit dem olympischen Debüt des Damen-Doppels richtet sich internationaler Blick auf das US-Duo Chevonne Forgan und Sophia Kirkby. Nach konstant starken Ergebnissen gilt das Team als ernsthafte Medaillenhoffnung.
Auch Ashley Farquharson arbeitet zielstrebig auf ihre zweite Olympia-Teilnahme zu. Mithilfe sportpsychologischer Methoden soll ihre mentale Stabilität wachsen — ein Bereich, den sie selbst als entscheidenden Faktor für die kommenden Heimrennen bezeichnet.
Stimmen der Athletinnen und Athleten
Viele Sportler verbinden mit Park City besondere Erwartungen:
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Hannah Prock (AUT) zeigte sich zufrieden mit ihrem Winterberg-Auftritt und blickt optimistisch nach Amerika „Mein Material war bereits im Training in Winterberg gut abgestimmt, wir haben auf das Rennen hin kaum etwas verändert. Ich war am Start schon sehr nervös, habe es aber dann in der Bahn sehr gut lösen können. Ich freue mich riesig und bin natürlich rundum zufrieden“
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Julia Taubitz (GER) freut sich auf die „besondere Atmosphäre“ und das Teamleben in den Ferienhäusern „“Winterberg lief nicht wie gewünscht. Der erste Lauf war ganz okay, da hatte ich nur im oberen Bereich kleinere Probleme. Die Schiene lief nicht richtig und wir haben für den zweiten Lauf umgebaut, aber damit bin ich dann nicht richtig zurechtgekommen. Auf Park City und Lake Placid freue ich mich sehr. Ich bin sehr gerne in Amerika, aber auch Asien, unterwegs. Ich mag die Bahn in Park City sehr gern. Das Drumherum ist für uns besonders schön, weil wir dort in Ferienhäuser untergebracht sind. Natalie Maag, Jessica Degenhardt, Cheyenne Rosenthal und ich haben wieder unser Wunschhaus bekommen. Wir sind eine coole Kombi, und es ist eine Woche WG-Leben, die sehr viel Spaß macht. Wir kochen gemeinsam, und es ist eine Abwechslung zum Hotelleben, das wir im Winter führen. Ich mag beide Bahnen sehr. In Park City ist es der Mix aus gefühlvoll und trotzdem Lenken und das Schnelle. Deshalb ist es gut, das wir vorher in Winterberg sind. Wenn wir nur in Cortina und Innsbruck gefahren wären, hätten wir dort erstmal einen Geschwindigkeitsschock bekommen.“
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Emily Fischnaller (USA) reist nach herausfordernden Erfahrungen in Cortina mit neuer Motivation an.
„Ich würde ganz klar sagen, dass das Rennen in Cortina für mich nicht gut gelaufen ist. Ich habe ganz deutlich gelernt, was in dieser Saison für mich funktioniert und was nicht, insbesondere bei der Wahl der Ausrüstung. Jetzt bin ich umso motivierter für die beiden Heimrennen. Es stehen zwei Weltcups in den USA an, also bin ich voller Tatendrang und bereit, wieder durchzustarten.
Ich denke, wenn man lange genug Sport treibt, muss man, wie viele von uns, mit einigen wirklich schweren Verletzungen fertig werden, und die damit verbundenen mentalen und physischen Herausforderungen können manchmal wirklich überwältigend sein. Deshalb bin ich wirklich stolz darauf, jetzt dort zu sein, wo ich bin. Denn es gab viele Momente, in denen mich die Angst, nicht zu wissen, ob ich es schaffen würde, völlig überwältigte. Dass ich diese Momente überwinden konnte und nun hier bin, und die Chance habe, mich für meine dritten Olympischen Spiele zu qualifizieren, gibt mir viel Kraft.“
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Max Langenhan (GER) steht vor seinem ersten Rennen in Park City und sieht eine spannende Herausforderung – „Es ist toll, dass wir dieses Jahr wieder in Amerika fahren. Für mich wird es in Lake Placid halbwegs normal sein, weil ich dort schon oft gefahren bin. In Park City hingegen bin ich Rookie. Da gibt es nur noch ganz wenige außer mir. Ich habe es durch Verletzungen bisher immer verpasst, dort zu fahren. Deshalb freue ich mich riesig darauf, dort endlich mal fahren zu können. Alle anderen machen sich schon lustig darüber, weil ich dann ja auch systematische Läufe vom Damenstart fahren darf und mich langsam rantaste, aber ich hoffe, es macht mir trotzdem Spaß. Ich habe schon gehört, dass es oben gleich eine krasse Schlüsselstelle am Herrenstart gibt. Deshalb bin ich sehr gespannt. Ansonsten nehme ich zur Adventsstimmung nichts besonders mit rüber, außer vielleicht Tee. Ich hoffe, dass ich bis dahin auch schon die meisten Geschenke habe, und im Dezember nur noch Kleinigkeiten besorgen muss.“
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Felix Loch (GER) lobt die Bahn und startet nach seinem gelungenen Auftakt mit viel Zuversicht „ „Ich bin total zufrieden mit meinem Weltcupauftakt in Winterberg. Es waren Kleinigkeiten drin, aber ich wusste, der Schlitten passt, und ich muss nur einigermaßen gerade runterfahren. So kann es in Amerika gerne weitergehen. Es wird mit Sicherheit ein bisschen schwieriger, wir greifen weiter voll an. Park City ist immer spannend, gerade für uns Herren. Die ersten drei Kurven sind immer ein Highlight, oder besser eine Herausforderung. Das Wetter spielt zum Glück mit, wir haben keine Minus zehn Grad, was das Ganze ein wenig schwieriger machen würde. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass es eine tolle Woche für uns wird. Ich freue mich, dass wir endlich mal wieder dort sind, denn die Bahn in Park City macht mir sehr viel Spaß.“
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Tucker West (USA) berichtet offen über seine Nackenverletzung und den mühsamen Weg zurück zur Stärke „
„Habe ich etwas an meiner Vorbereitung im Vergleich zu früheren Olympischen Spielen geändert? Man kann sagen: alles. Ich versuche auf jeden Fall, mich auf einige Stärken zu konzentrieren. Wir hatten eine gute Sommerpause mit Sommertraining. Das Motto dieses Jahres lautet „Gesund bleiben“. Ich hatte Anfang des Jahres Probleme mit einer Nackenverletzung, die sich bis in die Rennsaison hineingezogen hat. Gesund zu werden und gesund zu bleiben ist jetzt mein Ziel, und das wird anders sein als bisher.
Ich habe mir die Nackenverletzung in Sigulda zugezogen. Ich habe mich einer MRT-Untersuchung unterzogen, und es stellte sich heraus, dass ich einen Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung, wie auch immer man das nennen mag, im Bereich C5, C6 hatte. Normalerweise ist das kein Problem, es geht von selbst wieder zurück und ist dann wieder in Ordnung. Aber es hat so stark auf den Nerv gedrückt, dass es zu einer leichten Nervenschädigung auf meiner rechten Seite gekommen ist. Ich habe die gesamte Kraft in meinem rechten Arm verloren. Der Start war immer meine Stärke, daher war es etwas schwierig, diese zu verlieren. Ich würde nicht sagen, dass ich schon wieder ganz auf der sicheren Seite bin, aber die Schmerzen sind weg, was großartig ist. Ich muss nur wieder Kraft aufbauen, was langsamer vorangeht, als ich es mir gewünscht hätte.““
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Valentin Cretu (ROM), Beattie Podulski (CAN), Kailey Allan (CAN) und andere Athleten betonen die technischen Herausforderungen und freuen sich auf die Heimrennen in den USA. Auch die Doppelteams um Marcus Mueller, Ansel Haugsjaa oder Juri Gatt würdigen die Bedeutung der bevorstehenden Stationen für die Olympiaqualifikation.
Ticketverkauf für Milano-Cortina 2026 läuft
Für Fans gibt es weiterhin verfügbare Tickets für die Rodelwettbewerbe der Olympischen Spiele (Stand 07.12.2025). Die Wettkämpfe werden auf der neuen Pista Olimpica Eugenio Monti in Cortina d’Ampezzo stattfinden.
Zeitplan
2. EBERSPÄCHER Rodel-Weltcup, Park City, 12.–13. Dezember 2025
Lokale Startzeit (CET/MEZ in Klammern)
Freitag, 12. Dezember
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10:00 (18:00): Nationencup
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15:10 (23:10): Herren Einzel, 1. Lauf
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16:35 (00:35): Damen Einzel, 1. Lauf
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18:00 (02:00): Herren Doppel, 1. Lauf
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18:50 (02:50): Damen Doppel, 1. Lauf
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19:45 (03:45): Herren Doppel, 2. Lauf
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20:25 (04:25): Damen Doppel, 2. Lauf
Samstag, 13. Dezember
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16:15 (00:15): Herren Einzel, 2. Lauf
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17:20 (01:20): Damen Einzel, 2. Lauf
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19:00 (03:00): Team-Staffel
(Alle Angaben sind ohne Gewähr)

