Beitragsbild: Studio Loriot

Ankündigung

Loriots künstlerisches Erbe zieht nach Frankfurt

Frankfurt am Main, 12. November 2025 – Der vollständige künstlerische Nachlass des Karikaturisten Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, wird künftig im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst aufbewahrt. Damit findet das künstlerische Erbe des Humoristen eine dauerhafte Heimat am Main.

Die Bekanntgabe erfolgte anlässlich von Loriots 102. Geburtstag durch die Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig und den Museumsleiter Martin Sonntag. Bereits zum 100. Geburtstag des Künstlers hatte das Museum eine vielbeachtete Jubiläumsausstellung präsentiert.

„Es handelt sich um einen bedeutenden kulturellen Schatz, für dessen Bewahrung wir eine große Verantwortung tragen“, erklärte Dr. Ina Hartwig. Auch Martin Sonntag sprach von einer „großen Ehre für das Museum und die Stadt Frankfurt“. Die Verbindung zwischen der Neuen Frankfurter Schule und Loriot bezeichnete er als „inhaltlich eng und historisch folgerichtig“.

Nach Loriots Tod im Jahr 2011 wurde der Nachlass zunächst im Anwesen der Familie am Starnberger See aufbewahrt. Dort hatte der Künstler mit seiner Ehefrau Rose-Marie von Bülow (1929–2024) gelebt. Nach dem Tod der jüngsten Tochter, Susanne von Bülow, Anfang 2025 entschied sich die Familie, das Werk professionell verwahren zu lassen. Die Wahl fiel auf Frankfurt als Zentrum der Komischen Kunst.

Im Sommer 2025 sichteten Martin Sonntag und Dr. Thomas Kronenberg, Sammlungsleiter des Caricatura Museums, gemeinsam mit Till Kaposty-Bliss, dem Geschäftsführer des Studio Loriot, die Bestände in Ammerland. Nach und nach wurde das Material nach Frankfurt überführt – darunter Originalzeichnungen, Bühnenmodelle, persönliche Gegenstände wie Loriots Pfeifensammlung und sein Schreibtisch sowie private Sammlungen.

„Loriot ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Komik. Sein Werk prägt bis heute Sprache und Kultur“, betonte Martin Sonntag. Bereits die Jubiläumsausstellung habe das Vertrauen der Familie gezeigt, das sich nun in der Übergabe des Nachlasses fortsetze.

Auch Till Kaposty-Bliss hob die enge Zusammenarbeit hervor: „Das Vertrauen entstand während der Jubiläumsausstellung und des intensiven Austauschs danach. Es war schnell klar, dass Frankfurt der richtige Ort für das Erbe Loriots ist.“ Künftig soll zudem das Studio Loriot, bisher in Berlin ansässig, nach Frankfurt verlegt werden.

Leo von Bülow-Quirk, Enkel des Künstlers und Sprecher der Familie, erklärte: „Wir haben das Gefühl, dass sich die Werke und persönlichen Stücke hier in guten Händen befinden.“

Die Verbindung Loriots zu Frankfurt reicht zurück bis in die Anfangszeit seiner Karriere: Er gestaltete das erste Titelbild des Satiremagazins „Pardon“, das in Frankfurt erschien und eng mit der Neuen Frankfurter Schule verbunden war – jener Künstlergruppe, deren Arbeiten den Grundstock der heutigen Sammlung des Caricatura Museums bilden.

Mit dem Nachlass Loriots erweitert das Museum seine Rolle als zentrale Sammlung deutscher Nachkriegssatire. Die Stadt plant, das Erbe künftig dauerhaft zu präsentieren. „Nun liegt es an uns, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das diesem kulturellen Vermächtnis gerecht wird“, sagte Dr. Ina Hartwig.

Zunächst steht jedoch die sachgerechte Inventarisierung der Bestände im Vordergrund. Langfristig soll ein Ort entstehen, an dem Loriots Werk der Öffentlichkeit zugänglich bleibt – als fester Bestandteil der deutschen Satire- und Kulturgeschichte.