Der Frankfurter Zoo freut sich über neuen Nachwuchs bei den Erdferkeln. Am 30. September brachte die siebzehnjährige Mutter ERMINE ein Jungtier zur Welt, ein Weibchen. ERMINE ist eine erfahrene Mutter, für die es bereits die achte Geburt ist. Der Vater des Jungtieres ist IRMO, geboren im Jahr 2002. Das kleine Erdferkel entwickelt sich prächtig und nimmt täglich 150 bis 200 Gramm zu.
Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, kommentierte das Ereignis: „Es ist schön, dass es bei den beliebten Erdferkeln wieder Nachwuchs gibt. Die Art ist zweifellos ein Highlight der großen Nachtabteilung im Grzimekhaus.“ Sie fügte hinzu, dass in Deutschland außer in Frankfurt derzeit nur in den Zoos von Berlin, Halle, Köln und Saarbrücken Erdferkel bestaunt werden können.
Dr. Christina Geiger, Zoodirektorin und tiermedizinische Beraterin für das Zuchtbuch der Erdferkel, betonte die Bedeutung der Nachzucht: „Durch die Nachzucht können wir einen wichtigen Beitrag zur Zoopopulation der Erdferkel leisten. Aufgrund ihrer Anpassungen an das nachtaktive Leben ist auch heute noch relativ wenig über ihre Lebensweise bekannt und unser Wissenstand ändert sich permanent. Viele Informationen lassen sich nur an den Individuen in Zoos sammeln und erforschen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse tragen zum besseren Verständnis der Bedürfnisse der Art bei, was auch dem entsprechend angepassten Schutz im Lebensraum zugutekommt. Selbst die Anatomie der Erdferkel ist noch lückenhaft bekannt und wird bis heute nach und nach aufgeklärt.“
Astrid Parys, Revierleiterin im Grzimekhaus, zeigte sich stolz über den Nachwuchs: „Diese faszinierenden Tiere zu halten, ist eine besondere Herausforderung. Im Dunkelbereich im Grzimekhaus haben wir dafür gute Bedingungen geschaffen. Unsere Erdferkel haben in ihrer Anlage Erdhöhlen, in die sie sich zurückziehen können. Im rückwärtigen Bereich befindet sich die sogenannte Wurfbox, in der das Kleine seine ersten Lebenswochen verbringt. Mutter ERMINE kommt lediglich zum Säugen vorbei. Unsere Besucherinnen und Besucher werden sich also noch etwas gedulden müssen, bis sie das Jungtier zu Gesicht bekommen.“
Der Frankfurter Zoo kann auf eine lange Erdferkel-Haltung zurückblicken: Mit Unterbrechungen wird die Art seit 1925 gezeigt und äußerst erfolgreich gezüchtet. 1962 gelang hier die Welterstzucht. Bereits 37 Erdferkel kamen seitdem in Frankfurt zu Welt. In Europa gab es lediglich im Burgers‘ Zoo in den Niederlanden mehr Nachwuchs. Dort wird auch das Europäische Zuchtbuch koordiniert.
Wissenswertes über Erdferkel
Erdferkel (Orycteropus afer) leben als Einzelgänger, die sich nur in der Paarungszeit zusammenfinden. Das Ferkel im Namen verdanken sie der schweineartigen Rüsselscheibe am Ende ihrer langen Schnauze, mit deren Hilfe sie ihre Nahrung – vor allem Ameisen und Termiten – im Boden aufspüren. Erdferkel sind jedoch nicht mit den Schweinen verwandt, sondern stellen die einzigen Vertreter der Ordnung der Röhrenzähner dar.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Erdferkel liegt in Afrika: Sie kommen in weiten Teilen südlich der Sahara vor, wo sie sowohl Savannen als auch Regenwaldgebiete und Buschland bewohnen. In einigen Gebieten, in denen der Mensch besonders stark in ihre Lebensräume eingreift, sind die Bestände zurückgegangen. Dennoch wird das Erdferkel von der Weltnaturschutzunion IUCN derzeit als „nicht gefährdet“ eingestuft. Damit es auch so bleibt, sind Zuchterfolge bei der selten in Zoos gehaltenen Art von großer Bedeutung, denn aufgrund ihres verborgenen Lebens im Freiland ist nach wie vor längst nicht alles über ihr Verhalten und ihre Ansprüche an den Lebensraum bekannt.
Eine Sonderfolge des Naturschutzpodcast „Hinter dem Zoo geht’s weiter“ von Zoo und Zoologischer Gesellschaft Frankfurt widmet sich den charismatischen Nachttieren: Podcast-Link.



